Flüchtlinge in Lengdorf – 03.06.2015

Die Menschen: In Badberg sind im zweiten Stock eines Wohnhauses zurzeit 12 afghanische Flüchtlinge untergebracht. Es handelt sich um drei Familien mit Säugling, Kleinkind, Kindergartenkind (Die Mutter des Kleinkindes ist im sechsten Monat schwanger) sowie zwei ca. 20jährige Brüder und  ein alleinstehender Mann.

Der Helferkreis: nach dem Informationstreffen im  Frühjahr diesen Jahres hat sich ein Kreis ehrenamtlicher Helfer (ca. 25 Personen) gebildet. Es gibt eine Organisationsstruktur bzw. feste Ansprechpartner für verschiedene Bereiche z. B. Gesundheit, Kontakt zu Behörden, Deutschunterricht usw. Jeder hilft in seinem zeitlichen Rahmen, alle Helfer sind berufstätig und haben Familie.

Die Sprachsituation: kein Flüchtling spricht Deutsch oder hat Kenntnisse vom deutschen Alphabet. Einige sprechen wenig Englisch. Der Spracherwerb ist die wichtigste Voraussetzung für die Integration. Durch die fehlende Kommunikationsmöglichkeit wissen wir nichts über die persönlichen Umstände der Flüchtlinge (Situation im Heimatland, Ausbildung, Beruf, zurückgelassene Verwandte). Da zunächst unklar war, ob, wie, wo und wann Deutschkurse stattfinden können, bildete sich eine Gruppe ehrenamtlicher Bürger, die nach einem festen Stundenplan in Badberg Deutsch unterrichten. Es gibt ein spezielles „Lehrbuch“ für Flüchtlinge, das keine gemeinsame Sprache bei Lehrenden und Schülern voraussetzt.
Die Brüder Ali und Wali besuchen die Berufsschule in Erding, waren allerdings vorher auch schon fitter in Englisch und Deutsch.

Inzwischen sind Deutschkurse in Dorfen angelaufen, die verpflichtend sind. Allerdings gibt es, wie auch für viele andere Maßnahmen, ein durch die Wohnsituation bedingtes logistisches Problem: Die Busverbindung passt nicht zum Beginn der Unterrichtszeit, ein Fahrdienst muss organisiert werden.

Die Wohnsituation: die Wohnung in Badberg ist ausreichend groß, jede „Gruppe“ hat einen eigenen Raum, der abschließbar ist. An der Giebelseite zum Isental ist ein sehr großer Gemeinschaftsraum mit großer Küchenzeile. Der Ausblick ist traumhaft, leider ist das Haus sehr abgelegen. Auch kommen die Flüchtlinge leider nicht in das Bewusstsein der Mitbürger, da sie im Ort Lengdorf nicht sichtbar sind.

Der Fahrdienst/  die Logistik: Es wurde eine Liste ehrenamtlicher Fahrer erstellt – jederzeit erweiterbar – , über Whatsapp können kurzfristige Termine erfragt und abgedeckt werden. Trotzdem ist der Organisationsaufwand enorm, ehrenamtliche Fahrer und Begleiter jederzeit herzlich willkommen.

Und zu guter letzt: Berührungsängste sind völlig unbegründet: die Flüchtlinge sind sehr freundlich und dankbar für jede Unterstützung. Trotz noch bestehender Sprachbarrieren ist Verständigung möglich. Oft entstehen hier lustige Situationen. Natürlich kommt es hin und wieder zur Missverständnissen, aber: bis jetzt hat sich jedes Problem lösen lassen.

Claudia Auer, Ingrid Splittgerber